"Die Belastung ist zu hoch"

Als Kind in seiner Heimatstadt im örtlichen Handballverein aktiv zu sein und anschließend mit diesem in der Bundesliga und Champions League aufzulaufen sowie für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen, ist wohl ein Traum, den jeder Nachwuchs-Handballer sich irgendwann schon einmal ausgemalt hat. Einer, der genau diesen Traum aktuell lebt, ist Rune Dahmke. Der gebürtige Kieler stammt aus der Jugend des THW und steht seit 2014 im Profikader von Trainer Alfreð Gíslason. Im Interview sprachen wir mit dem Europameister von 2016 über seinen Weg hin zum Handballprofi und die Belastung für deutsche Nationalspieler.

Hallo Rune, du bist in Kiel geboren, hast die THW-Jugend durchlaufen und hast es bis zum Stammspieler im Profikader sowie zum Nationalspieler gebracht. Lebst du deinen Handballtraum?
Rune Dahmke: „In der Bundesliga zu spielen war schon immer mein Traum. Ich komme aus einer kompletten Handballfamilie, da träumt man natürlich heimlich davon, irgendwann Handballprofi zu werden. Aber so etwas spricht man ja nicht laut aus. Dass es so schnell geklappt hat und dann auch noch in meinem Heimatverein, das war so nicht zu erwarten.“

Welche Rolle spielt dein Vater Frank Dahmke, selbst früher Profi beim THW Kiel, in deiner Karriere?
Rune Dahmke: „Was das Handballerische angeht, hat sich mein Vater eigentlich immer sehr zurück gehalten. Aber natürlich konnte und kann ich bei Fragen immer zu ihm gehen und mir seinen Rat holen.“

Du hast vor deinem Sprung in den Kader der ersten Mannschaft des THW Kiel von 2012 bis 2014 per Zweitspielrecht für den Drittligisten TSV Altenholz gespielt. Ein Schritt, den du jungen Talenten empfehlen kannst?
Rune Dahmke: „Auf jeden Fall! Der Sprung direkt aus der Jugend in die 1. Bundesliga ist extrem schwer. Diesen direkt zu vollziehen, das schaffen nur wenige. Während meiner Zeit beim TSV Altenholz ging es vor allem darum, Spielpraxis und Erfahrungen zu sammeln. Das hat mir sehr geholfen, um anschließend die nächsten Schritte in meiner Karriere anzugehen.“

Du spielst mit dem THW Kiel in Meisterschaft, Champions League sowie im DHB-Pokal und bist zusätzlich noch für die Nationalmannschaft aktiv. Empfindest du die Belastung für deutsche Nationalspieler – gerade die aus den Top-Vereinen der Bundesliga - als zu hoch? 
Rune Dahmke: „Ja, die Belastung ist definitiv zu hoch.“

Welche Lösungsmöglichkeiten siehst du, um diese Belastung zu senken?
Rune Dahmke: „Eine Maßnahme wäre es beispielsweise, die internationalen Turniere mit der Nationalmannschaft nur alle vier Jahre stattfinden zu lassen. Außerdem glaube ich, dass die Bundesligavereine und die Nationalmannschaft noch besser zusammenarbeiten könnten. Gleiches gilt für die verschiedenen internationalen Institutionen wie EHF oder IHF. Ich verstehe natürlich, dass alle Vereine und Institutionen Geld verdienen und volle Hallen haben wollen, aber die 14 Spiele allein in der Vorrunde der Champions League sind beispielsweise deutlich zu viel.“ 

Wie siehst du allgemein die Perspektive für junge Talente in der Handball-Bundesliga?
Rune Dahmke: „Die Perspektive hat sich in den letzten Jahren verändert. Immer mehr junge deutsche und auch junge ausländische Spieler haben in den letzten Jahren den Sprung in die Bundesliga geschafft. Vielleicht täuscht meine Sicht darauf aber auch ein wenig, weil ich ja selber mitten drin stecke und selber zu dieser jungen Spielergeneration gehöre.“ 

Die deutsche Bundesliga schmückt sich gerne mit dem Attribut `stärkste Liga der Welt´.
Rune Dahmke: „Ich finde, bezogen auf die Dichte an spielerisch starken Mannschaften, sind wir die beste Liga und weltweit so wohl einzigartig. Es gibt zwar auch in den anderen Ligen Europas viele gute Teams wie zum Beispiel in der SEHA-League. Aber wenn man sich einen kompletten Saisonverlauf und die Vereine betrachtet, glaube ich, dass die Qualität bei uns in Deutschland am höchsten ist.“

Rune, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in den laufenden Wettbewerben. 

Fotos: Max Sander


Autor: Hannes Niemeyer