„Florian Kehrmann schätzt meinen Rat"

„Florian Kehrmann schätzt meinen Rat"

Er kennt den TBV Lemgo wie seine eigene Westentasche: Florian Kehrmann. Von 1999 bis 2014 stand er als aktiver Spieler beim TBV unter Vertrag, übernahm im Dezember 2014 dann das Traineramt der Bundesligamannschaft. Ein langjähriger Weggefährte von „Flo" in Lemgo ist Rolf Hermann. Beide standen sieben Jahre gemeinsam auf dem Spielfeld. Seit zwei Jahren nun leitet Florian Kehrmann die sportlichen Geschicke, während Rolf Hermann für den TBV in der Bundesliga weiter auf Torejagd geht. 

Stellt sich die Frage: Wie ist es eigentlich für einen Spieler, plötzlich auf die sportlichen Kommandos seines Ex-Teamkollegen zu hören? Im Interview sprach der aktuelle TBV-Kapitän über die Umstellung, Florian Kehrmann an der Trainerbank stehen zu haben.

Hallo Rolf, du hast beim TBV Lemgo etliche Jahre mit deinem jetzigen Trainer zusammen auf dem Spielfeld gestanden. Wie war für dich die Umstellung, Florian Kehrmann plötzlich als Coach neben dem Feld stehen zu haben?
Rolf Hermann: „Für mich war die Umstellung eigentlich gar nicht so groß. Florian Kehrmann war schon auf dem Feld für mich eine Respektperson. Er hat in seiner Karriere sehr viel erlebt, deshalb war es für mich eine schöne Nachricht, als ich hörte, dass er das Traineramt bei uns übernimmt. Vor zwei Jahren war die sportliche Situation brenzlig. Für ihn war es ein sehr großer Schritt, für den er sich sonst sicherlich mehr Zeit gelassen hätte. Aber diese Bereitschaft spiegelt auch Flo´s Charakter wieder.

War der Einstieg für Florian Kehrmann leichter, da er den TBV bereits gut kannte?
Rolf Hermann: „Natürlich ist es für einen Trainer gut, wenn er die internen Strukturen des Vereins schon kennt. Flo war ja zuvor bereits Trainer unserer zweiten Mannschaft. Als er Trainer der Bundesligamannschaft wurde, standen wir auf einem Abstiegsplatz, die Situation war deshalb nicht einfach für ihn. Da er den TBV gut kennt, konnte er in enger Zusammenarbeit mit dem Management die Situation meistern.“

Fällt es einem Spieler schwerer, von einem ehemaligen Mitspieler plötzlich die sportlichen Ansagen entgegenzunehmen?
Rolf Hermann: „Ich hatte damit überhaupt kein Problem. Florian Kehrmann lebt für den Handball, deshalb wusste er auch, wie er mich als Spieler nehmen muss. Flo kannte auch viele andere aus unserer Mannschaft, das war zu Beginn seiner Trainerkarriere sicher ein Vorteil für ihn.“

Inwieweit unterstützt du ihn als Kapitän des TBV? Würdest du dich als sein „verlängerter Arm auf dem Platz" bezeichnen?
Rolf Herrmann: „Der verlängerte Arm auf dem Platz sind ganz klar unsere Spieler im Mittelaufbau. Aber Florian Kehrmann sucht auch immer wieder das Gespräch mit mir. Da wir uns gut kennen, schätzt er meinen Rat. Er nimmt sich auch die Zeit und hört sich an, wo ich Verbesserungsvorschläge sehe. Zudem bespreche ich mit ihm mannschaftsinterne Dinge.“

Wäre ein ähnlicher Schritt wie der von Florian Kehrmann auch für dich - nach deiner aktiven Karriere - denkbar?
Rolf Hermann: „Der Job des Trainers ist für mich überhaupt kein Thema. Ob ich dem Handball beim TBV Lemgo oder bei einem meiner Ex-Vereine in irgendeiner Form verbunden bleibe, wird sich zeigen. Da muss man abwarten und sehen, welche Optionen sich in Zukunft ergeben.“

Florian Kehrmann kennt ja nicht nur den TBV Lemgo, sondern als Ex-Nationalspieler und Weltmeister von 2007 auch den Deutschen Handballbund gut. Wäre er für dich ein Kandidat für das Amt des Bundestrainers?
Rolf Hermann: „In unserer jetzigen Situation sind wir froh, ihn beim TBV zu haben. Flo ist ja noch ein junger Trainer. Der aktuelle Favorit für die Stelle des Bundestrainers ist Christian Prokop, der in Leipzig einen guten Job macht und aus vielen jungen Spielern eine gute Mannschaft geformt hat. Für das Amt des Bundestrainers ist aber auch ein Reifeprozess notwendig. Ein gutes Beispiel dafür ist Markus Baur, der bereits einige Stationen als Trainer hinter sich hat.“

Rolf Hermann, vielen Dank für das Interview. 


Foto: Max Sander



Autor: Hannes Niemeyer